Psychisch kranke Eltern deutlich mehr gestresst
Forscher*innen der Universitäten Gießen, Dortmund, Marburg, Heidelberg, München und Dresden veröffentlichten ihre Forschungsergebnisse im Februar 2024 zum Thema elterlicher Stress und deren Zusammenhang zur Psychopathologie bei den Kindern. Ziel der Forschung war es, den Elterlichen Stress (Parenting stress, PS) mit oder ohne psychische Erkrankung zu vergleichen und somit den Zusammenhang zwischen Elterlichem Stress und Psychopathologie von Kindern zu untersuchen.
Es wurde ein multimodaler Forschungsansatz verwendet mit verschiedenen Untersuchungsmethoden:
- subjektiv mittels Fragebogen bezüglich der psychischen Belastung der Eltern sowie die Einschätzung des Verhaltens der Kinder
- objektiv durch psychophysiologische Messungen (Herzfrequenz) während einer Sprachaufgabe (freie Rede) per EKG-Messung
An der Studie nahmen insgesamt 189 Familien teil, mit psychischer Erkrankung und ohne psychische Erkrankung sowie deren Kinder im Alter von 4-16 Jahren. Die Rekrutierung der teilnehmenden Personen erfolgte über die COMPARE-Studie an verschiedenen Standorten. Die Ergebnisse zeigen, dass Eltern mit einer psychischen Erkrankung im Vergleich zu Eltern ohne psychische Erkrankung eine erhöhte elterliche Stressrate aufweisen. Psychisch erkrankte Eltern bewerten das Verhalten ihrer Kinder deutlich negativer bzw. weniger positiv. Psychophysiologische Daten wie die Herzrate zeigen reduzierte Werte im Vergleich zu Eltern ohne psychische Erkrankung.
Insgesamt verdeutlichen die Studienergebnisse die Bedeutung elterlichen Stresserlebens für die kindliche psychische Gesundheit und heben die Notwendigkeit gezielter Interventionen zur Reduzierung von elterlichem Stress hervor, besonders bei psychisch erkrankten Eltern. Die generationsübergreifende Übertragung psychischer Erkrankungen könnte somit unterbrochen werden. Folgende Maßnahmen können in diesem Zusammenhang für Präventionsprogramme im Bereich Eltern-Kind von Bedeutung sein:
- Therapeutische Fachkräfte sollten die Eltern-Kind-Beziehung im Fokus haben und vor allem unterstützend tätig sein.
- Der Zugang zu präventiven Maßnahmen sollte insgesamt erleichtert werden.
- Eltern mit einer psychischen Erkrankung sollten an Präventionsprogrammen zur Stressreduzierung teilnehmen und könnten somit den Elterlichen Stress reduzieren und die Übertragung von psychischen Symptomen auf ihre Kinder verhindern.
Daniela Oltmann
Fachkoordinatorin A: aufklaren
B.A. Angewandte Psychologie