Kinder aus dem Schatten geholt

Fachtagung Kinder psychisch erkrankter Eltern sehen – stärken - schützen

, 03.07.2025

250 Fachleute aus Pädagogik, Medizin und Psychologie haben sich in Fachvorträgen und Workshops weitergebildet. Eine Mitmach-Ausstellung zu psychischen Erkrankungen in der Familie wurde eröffnet.

Hamburg. - Zwei Tage lang drehte sich alles um Kinder psychisch erkrankter Eltern und wie man sie unterstützen kann. Praxisorientierte Workshops luden dazu ein, verschiedene Zugangswege zu Kindern und ihren Familien kennenzulernen und gemeinsam neue Handlungsperspektiven zu entwickeln. Die Spanne der Themen reichte von “Eltern im Spagat” zu “Eltern mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen” und stieß auf große Resonanz. Auf besonderes Interesse stießen die „Mitmütter“, die betroffene Eltern mit eigener Erfahrung unterstützen. Mit der Fachtagung feiert A: aufklaren den fünften Geburtstag des Projektes und macht aufmerksam auf die 83.000 Kinder in Hamburg, die mindestens mit einen von psychischer Erkrankung betroffenen Elternteil aufwachsen. 

A:aufklaren-Projektleiterin Juliane Tausch zog positive Bilanz nach zwei intensiven Tagen des Austauschs, der Informationen und des Diskurses: "Das Arbeitsthema Kinder psychisch erkrankter Eltern ist jetzt so lebendig wie nie. Mit dieser Tagung haben wir einen kraftvollen Akzent gesetzt. Sie ist das Ergebnis von fünf Jahren intensivem Aufklaren und ein wichtiges Angebot in unserem Geburtstagsjahr." 

Strukturen stärken, Netzwerke schaffen

Kristin Alheit, Geschäftsführende Vorständin des Paritätischen Hamburg, Träger des Projektes A:aufklaren, begrüßte die Besucher*innen im Saal des Rudolf-Steiner-Hauses: “Gemeinsam mit Ihnen haben wir die Kinder aus dem Schatten geholt! Und mit Ihrer Anwesenheit auf dieser Fachtagung tragen Sie dazu bei, dass die Schatten der elterlichen Erkrankung kleiner werden. Sie alle haben dazu beigetragen, dass sich in unserer Stadt die Verhältnisse für diese Kinder etwas aufgeklart haben.”

Valérie von Hodenberg, Projektmanagerin der Auridis-Stiftung, die A: aufklaren finanziert, erklärte das Engagement der Stiftung: “Unsere Motivation, A: aufklaren zu fördern, liegt vor allem in der Idee, eine Struktur zu stärken, die Fachlichkeit bündelt, praxisnah agiert und gleichzeitig systematisch Netzwerke schafft. Genau das ist hier in beeindruckender Weise gelungen.” Denn was in Hamburg in den letzten Jahren entstanden ist, sei trotz aller Herausforderungen, wirklich bemerkenswert. “Wir als Auridis Stiftung sehen die besondere Stärke dieser Fachstelle darin, Brücken zu bauen: Zwischen Disziplinen, zwischen Systemen, zwischen Professionen. Sie schafft Orientierung, Vernetzung, fachlichen Tiefgang – und ermöglichen konkrete Handlungsschritte für die Praxis – inzwischen weit über Hamburg hinaus.”

Eine Einführung in das Thema aus der Sicht der Klinischen Praxis gaben Dr. Daniel Schöttle und Brit-Meike Fischer-Pinz von der Asklepios Klinik Harburg. Sie berichteten aus der Arbeit mit psychisch kranken Eltern und ihren Kindern und von der Eltern-Kind-Station. Professorin Dr. Silke Wiegand-Grefe (UKE) präsentierte die positiven Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungsarbeit zu Familien mit psychisch erkrankten Eltern, die zeigen, dass eine therapeutische Intervention mit der ganzen Familie eine gute Wirkung hat und letztendlich Behandlungskosten spart.

Mitmach-Ausstellung eröffnet

Ein besonderes Highlight war die Eröffnung der Mitmach-Ausstellung „Und dann war Mama Königin“, die A: aufklaren gemeinsam mit dem Monterosa Verlag ins Leben gerufen hat. Die Autorin Claudia Gliemann und Illustratorin Louise Heymann erklärten, wie das Buch und die Ausstellung entstanden sind. Die großformatigen Illustrationen zeigen, was psychische Erkrankungen, wie Depression oder Angststörungen sind, und bieten Anregungen für Gespräche in Familien, Schulen und Fachkreisen. Die Illustrationen und Texte laden dazu ein, sich mit den Perspektiven und Bedürfnissen betroffener Kinder auseinanderzusetzen. Die Ausstellung kann mit pädagogischer Begleitung entliehen werden.

Es waren zwei Tage voller Eindrücke, die gezeigt haben, wie wichtig es ist, Kindern von psychisch belasteten Eltern zu helfen. Obwohl das Interesse am Thema groß ist, bleibt die Zukunft von A: aufklaren über das Jahr 2025 hinaus ungewiss, da die Finanzierung des Projektes ausläuft. Um die Prävention und Versorgung der betroffenen Familien zu etablieren und in Zukunft weiterzuentwickeln, braucht es A: aufklaren als Fachstelle mit einer längerfristigen Finanzierung.

Christiane Rose

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
T 0172 744 3285
christiane.rose@paritaet-hamburg.de

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